Lehitraot Israel – Auf Wiedersehen

Mein letzter Tag in Israel. Drei Wochen war ich unterwegs. Habe Juden, Christen und Muslime kennengelernt, arabisch gegessen, israelischen Wein und palästinensisches Bier getrunken, Shabbat gefeiert und den Beginn des Ramadan erlebt. Viel erfahren von den Menschen, die meinen Weg kürzer oder länger kreuzten, manches leichter, anderes schwieriger zu verdauen. Es bleibt die Hoffnung auf Frieden und Gleichheit.

Wie das aussehen könnte, habe ich mir in Neve Shalom/Wahat al-Salam, der Oasis of Peace, angesehen. In dieser Dorfgemeinschaft habe ich meine letzte Nacht verbracht, umgeben von Juden und Arabern, die hier seit 1970 ein Zeichen für ein friedliches Zusammenleben setzen und ihre Kinder in die School for Peace schicken. So könnte sie aussehen, die Zukunft.

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Breaking the silence

Heute wartete nochmal ein harter Brocken auf mich. Mit zwei ehemaligen Soldaten waren wir unterwegs ins palästinensische Hebron. „Breaking the silence“ engagiert sich gegen die Besetzung der Westbank durch Siedlungsprojekte. Alle haben ihren 3-jährigen Militärdienst absolviert und in dieser Zeit realisiert, dass sie immer wieder gezwungen waren, Aktionen gegen die palästinensische Zivilbevölkerung durchzuführen, auf die sie in keiner Weise vorbereitet waren. 2004 hat eine Handvoll Ex-Soldaten die Organisation gegründet und seither über 1.000 persönliche Aussagen von Soldaten gesammelt.

Touren führen regelmäßig nach Hebron, da die Lage dort besonders extrem ist. Die israelischen Siedlungen befinden sich an fünf Stellen inmitten der Stadt und schneiden die Palästinenser von großen Teilen ihrer eigenen Stadt ab. Die ehemalige Hauptstrasse dürfen sie nicht mehr passieren und weite Teile des früheren Zentrums gleichen einer Geisterstadt. Vier Stunden waren wir mit unseren beiden Guides unterwegs, ständig beobachtet und verfolgt von Militär und Polizei. Die Geschichten, die wir währenddessen hören und selbst erleben, sind harte Kost, doch die Anwesenheit von neutralen Beobachtern ist für die Palästinenser ein wichtiges Zeichen und ich mag die Hoffnung nicht verlieren, dass die Besatzung eines Tages vielleicht doch ein Ende haben wird.

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Jerusalem! Jerusalem!

In acht Stunden zu Fuss durch die Altstadt und Ostjerusalem heißt, eine Reise durch die Religionen der Welt zu machen. So viel heilige Stätten auf überschaubarem Raum, die dann auch noch von mehreren Religionen für sich beansprucht werden, das kann eigentlich nur zu Konflikten führen. An neuralgischen Punkten ist denn auch immer wieder Militär präsent und auch ich habe mich im Laufe meiner Reise – fast – an den Anblick von Soldaten mit Maschinengewehren gewöhnt.

Hier heute unterwegs zu sein, bedeutet Feiertagsstimmung im jüdischen Viertel wegen Shabbat, während im muslimischen Teil der Samstag den lebhaften und lautstarken Auftakt zum Wochenbeginn markiert. Faszinierend und anstrengend zugleich ist diese Mischung und darauf genehmige ich mir nach der Rückkehr erstmal ein kühles Goldstar!

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Shabbat shalom!

Freitag in Jerusalem. Auf dem Mahane-Yehuda-Markt ist kurz vor Schluss die Hölle los. Er schließt heute um 14h, denn dann beginnen die Vorbereitungen für den Shabbat. Alle notwendigen Lebensmittel, besonders das typische Shabbat-Brot und der koshere Wein können hier noch besorgt werden. In den Straßen und Gassen rund um den Markt sind neben den einkaufenden Familien jede Menge Musiker unterwegs, es werden Teelichter verteilt und Rabbis wünschen einen friedlichen Shabbat.

Ich freue mich schon auf meinen ersten „richtigen“ Shabbat und gehe gleich zum Shabbat Dinner hier im Hostel. Vorher muss ich aber noch schnell duschen – auch das gehört zu den Vorbereitungen. Shabbat shalom, ein friedliches Wochenende Euch allen!
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Unterwegs im Kraterland

Auf dem Rückweg vom Ashram verabschiede ich mich in Mitzpe Ramon von Sergey und dem roten Käfer. Ich will mir unbedingt den Krater Makhtesh Ramon anschauen und hatte außerdem einen Tipp für eine ausgefallene Übernachtungsmöglichkeit dort. Im „Silent arrow“ schläft man in einer Art Beduinenzelt abseits vom Ort und auch hier unter einem grandiosen Sternenhimmel.  Es gibt auch keine Elektrizität, nachts nur ein paar Laternen und dazu die unglaubliche Stille.

Mitzpe Ramon liegt hoch am Kraterrand und ist deshalb auch temperaturmäßig angenehmer. Dennoch brennt die Sonne ganz schön und ich lege mir für meine Wanderung einen Hut zu. Der Makhtesch hat gigantische Ausmaße, ist 40 km lang, 9 km breit und 400 m tief. Auf meinem Weg begegne ich Steinböcken, die hier häufig und unbeeindruckt vom Menschen unterwegs sind.

Am nächsten Tag hatte ich erneut das Glück hinten auf der Teneré Platz zu nehmen  und die weitere Umgebung zu erkunden, einschließlich eines unfreiwilligen Aufenthalts wegen eines gerissenen Kupplungszugs. Aber wer mich kennt, weiß, dass mich so schnell nichts erschüttert und ich nun weiß, wie man den austauscht. Reisen bildet ja doch in jeglicher Hinsicht!

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Einatmen, ausatmen und staunen

Der Desert Ashram ist definitiv der abgefahrenste Ort, an dem ich bisher Yoga gemacht habe. Vom Yoga Dome aus ist nichts als unendliche Weite zu sehen, nachts überspannt ein surrealer Sternenhimmel das Areal.
Bei 43 Grad tagsüber unterrichtet Roni uns morgens um 6.30 und dann nochmal um 17.30. Dazwischen gibt’s Meditation im klimatisierten Raum „Samadhi“ und reichlich Gelegenheit, die Ashram-Bewohner kennenzulernen. Wie man es sich vorstellt, ein buntes Völkchen. Hinzu kommen ungezählte Katzen, über die Tische spazierende Hühner, schreiende Pfaue und jede Menge Hasen. Komme mir vor wie Alice in Wonderland. Hier darf jeder sein, auch mein Mattennachbar im Workshop, der nur spärlich mit einem Tuch bekleidet ist. Nach einer kürzlichen Tantra-Woche hier, hatte er sich von diesem Wochenende offensichtlich Ähnliches erhofft und versuchte bis zum Schluss, mich oder eine der anderen Frauen für zumindest einen Blick unter sein Tuch zu gewinnen…. Vermutlich kommt Yoga für ihn künftig nicht mehr in Frage.

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5:38h: Sonnenaufgang

Beware of Camels near the road

Mein nächster Trip startet auf dem Beifahrersitz eines roten Käfers, Baujahr 1974. Sergey nimmt mich mit von Tel Aviv in die Negev-Wüste. Unser Ziel ist der Desert Ashram, wo wir ein Wochenende lang unsere Yogamatten ausrollen. Knappe vier Stunden dauert die Fahrt, selbstverständlich originalgetreu ohne Klimaanlage. Dafür gibt es einen im Fußraum eingebauten Ventilator und geöffnete Ausstellfenster sowie die unbezahlbare Erinnerung an mein erstes Auto, noch dazu im gleichen Rot.

Kamele haben wir unterwegs keine gesehen, trotz der vielen Warnschilder. Aber eine Landschaft, die sich hinter Beer Sheva immer mehr zur gigantischen Kulisse eines Science-Fiction-Films wandelte. Als führe man durch ein nicht endendes Braunkohle-Abbaugebiet,  dabei den heißen Wüstenwind im Gesicht und das Shirt am Kunstleder klebend (ich hatte damals immerhin schon Stoffsitze 😉 Etwa 70 km vor Eilat ist die Wüste nur noch flach und endlos und mitten im Nirgendwo biegen wir links ab. „Oh my Buddha“ steht am Eingang – wir sind da!

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Tag am Meer

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Es gibt nichts zu verbessern,
nichts was noch besser wär,
außer Dir im Jetzt und Hier
und dem Tag am Meer.

Ohne Kaffee läuft hier gar nix

Die letzten Tage hatten’s in sich. So viele Erfahrungen, so viele Gespräche, und immer begleitet vom coffee arabic. Das leckere mit Kardamom und Nelken und ichweißnichtwasnoch aufgekochte Gebräu ist ein Zeichen der Gastfreundschaft und die durfte ich hier wirklich erfahren. Einzige Begrüßungsalternative ist der schwarze Tee mit frischer Minze – ebenfalls ganz köstlich. Beides führt in Mengen naturgemäß zu großer Wachsamkeit und die benötigte ich auch dringend, um meine ganzen Eindrücke zu verarbeiten.

Heute war ich mit Abood in Bethlehem unterwegs. Er bietet Free walking Tours durch die Stadt an und ich war sein einziger Gast: lucky me!  Es war heiß und ich war morgens schon von Beit Sahour, wo ich im Arab Women’s Union guesthouse übernachte, den Berg hinauf nach Bethlehem gelaufen (Wie die schwangere Maria das damals bis zur Geburtskirche geschafft haben soll, ich weiß es nicht…ich hoffe, Josef war ein starker Mann!) Jedenfalls waren wir beide dann auch nochmal gut zwei Stunden zu Fuß unterwegs und ich brauchte weiteren Kaffee zur Verarbeitung der heutigen Infos. Den gab’s dann auch nach einem gemeinsamen Lunch zum Abschluß im wunderbaren Singer Café. Zumindest für mich, denn Abood verriet mir dort, dass er gar keinen mag und dadurch manchmal ein echtes Problem hat, siehe oben!

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Kam mir irgendwie bekannt vor...

Welcome to Ramallah

Mehr als zwei Stunden im vollbesetzten Service-Taxi, der palästinensischen Version des Sherut, bringen mich nach Ramallah. Nach der stickigen Fahrt nehme ich als erste eine kühle Brise wahr, die Stadt liegt 900 m hoch. Zeit, die zu genießen bleibt aber nicht, denn hier tobt das Leben. Hinter der Busstation ist der Obst- und Gemüsemarkt trotz späten Nachmittags noch lautstark im Gange. An den Straßenständen könnte ich mich auf dem kurzen Weg zum Hostel noch mit sämtlichen Haushaltswaren und Klamotten eindecken, doch mir ist gerade weder nach Wäscheständer noch nach Winterschuhen.

Hunger habe ich allerdings und organisiere mir Falafel, diverse Oliven, Labaneh (Frischkäse) und pita natürlich. Dazu gibts die sagenhafte Aussicht aus dem 5. Stock des coolen Hostels auf die Stadt und den Ruf des Muezzins. Inbegriffen leider auch der Blick auf das sehr nahe Siedlungsprojekt Psagot…. Willkommen in Ramallah!

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